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Deichkind »BEFEHLSNOTENSTAND« |
Der "Befehl von ganz unten" erfolgt gleich zu Beginn des Interviews: Philipp und Porky haben zum Pressetermin ein selbstgebasteltes Glücksrad aufgebaut, an dem jeder Journalist eingangs drehen muss. Die Gewinnfelder reichen von glückseligen "10 Gästelistenplätzen" bis zum furchterregenden "Haare schneiden" oder dem desaströsen "Sofortiger Interviewabbruch". mbeat-Leser wissen aber schon längst: Die mbeat steht unter einem guten Stern, weshalb die Fragestunde zum neuen Album alsbald mit einem strahlenden Lächeln und einem frisch gewonnenen Zehner in der Hand beginnt...
Porky ist nicht nur während des vorherigen Interviews nach eigenem Bekunden beinahe eingeschlafen, er ist überdies auch ausnehmend ungehalten. Wer wollte ihm das verübeln, wurde ihm doch auf dem Flug nach München das flache Alleskönnertelefon
entwendet, das ja mittlerweile als kollektives Gedächtnis aus Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Fotos fungiert. "Wir sind jetzt alle ganz froh, dass wir mit der neuen Platte fertig sind", läutet Philipp elegant einen Themenwechsel ein. Porky
lässt ihn gewähren. "Lass mal die Plätze tauschen, wegen Kreislauf", schlägt Porky noch vor und legt sich erstmal flach, um am lebendigen Leib zu demonstrieren, dass er gerade dabei ist, seinem Groll buchstäblich zu erliegen. "Wir sind eine Deadline-Band; wir brauchen einen Punkt, an dem die Platte fertig sein muss", definiert Philipp die Entstehung des neuen Albums. "Das würde sich sonst verrennen, weil wir
alle Zweifler sind und immer nur an den Fragmenten arbeiten würden, die uns Spaß machen." Nichts anderes scheinen die Avantgarde-Elektroniker aber auf "Befehl von ganz unten" getan zu haben: Mit Spaß an Sequenzen und Beats zu arbeiten, die eingefleischten Fans beim erstmaligen Hören Züge der Erleichterung ins Gesicht zeichnen sollten. "Illegale Fans" ist so ein typisches Deichkind-Abfahrtprogramm; aber mehr noch "Bück dich hoch" mit Textpassagen, die sich in das kollektive Gedächtnis der Arbeit-Nervt-Fangemeinde brennen werden, quasi als amüsantes Kabinettstückchen zum allgegenwärtigen Karrierezwang, bei dem ein jeder ganz persönliche Parallelen finden wird. Elektronisch kraftvolle Arrangements, textlich nonchalanter Nonsens und Stakkato-Kritik an jüngsten popkulturellen...
Den gesamten Text dieses Artikels sowie viele weitere Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe der mbeat, die kostenlos für Sie in Ihrer nächsten Müller-Filiale mit Multi-Media-Abteilung ausliegt.
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