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wickie und »Wölfe hin, Taifune her« |
Wikingerkahn statt "(T)Raumschiff Surprise": In seiner Realverfilmung des Trickfilmklassikers besinnt sich Berufskalauer Bully auf das Kind im Manne und begeistert mit Abenteuerkino für die ganze Familie. Das Ergebnis: hart am Original dran …
Die Lösung viel Michael "Bully" Herbig am Ende gar nicht schwer. Nachdem seine ins Trickfilmformat übersetzte "Sissi"-Persiflage nicht ganz an die früheren Erfolge mit dem "Schuh des Manitu" oder "(T)Raumschiff Surprise" anknüpfen konnte, machte es der selbst ernannte TV-Junkie einfach umgekehrt. Mit "Wickie und die starken Männer" machte er aus dem grob gezeichneten Kinderprogrammklassiker der 70er modernes und opulent ausgestattetes Abenteuerkino. Inklusive vorausgeschickter und für deutsche TV-Verhältnisse einzigartiger Marketingaktivitäten. Denn statt auf die erprobte Mischung aus deutschen Filmstars und Bullyparadenpersonal zu setzen, entschied sich der Tausendsassa für eine Variable mit vielen Unbekannten: Praktisch die gesamte Bevölkerung von Flake sollte inklusive des kleinen Wickie mit Neulingen besetzt werden. Und um die zu finden, jagte man allerhand Niemande (und mit Günther Kaufmann einen Jemand) durch ein mehrwöchiges und vergleichsweise charmant präsentiertes TV-Casting, dem nicht nur Idealbesetzung Jonas Hämmerle, sondern auch manch lieb gewonnene Wikingerfigur entsprang. Doch Figuren, die den Trickfilmoriginalen bis in kleinste Details ähneln, sind die eine, eine Wikingerwelt, die tatsächlich auch in realiter funktioniert eine ganz andere Sache. Gefunden hat Herbig diese nicht nur vor den Steilküsten Maltas, sondern ausgerechnet auch am bayerischen Walchensee, der bald nicht nur das originalgetreu nachgebaute Drachenboot, sondern auch das gesamte Wikingerdorf beheimatete. Kein Wunder: Die fjordähnliche Bucht war bereits 1958 und 1959 Drehort für berühmte Nordmännerfilme wie "Die Wikinger". Das alles führt natürlich zu gemutmaßten Produktionskosten im zweistelligen Millionenbereich, die erst wieder hereingeholt werden wollen. Kein Problem für Tausendsassa Herbig, der statt alberner Zitate auf breiteste Familienunterhaltung setzt
und mit "Wickie und die starken Männer" einen fünf Millionen Besucher schweren Grundstein legt für eine neue Reihe. Deren Fortsetzung bereits in 3-D geplant wird. Die Angst vorm Wolf macht ihn nicht froh … In der zweiten Dimension orientiert sich die Geschichte fast schon sklavisch genau am Animéklassiker aus den 70ern. Zumindest zu Beginn, wo wir nicht nur an den kleinen Wickie herangeführt werden, sondern auch an seinen Vater Halvar (Waldemar Kobos), dessen Gefolgschaft sich aus den üblichen Verdächtigen um Snorre, Faxe, Tjure, Urobe und Gorm zusammensetzt. Gerne wäre der Sohn des Wikingerhäuptlings wie sie,
ein Seefahrer auf großer Abenteuerreise, aber der Herr Papa hält den Sohnemann für verweichlicht, und die Altersgenossen halten auch nicht gerade viel von mehr Grips im Kopf als Muskeln in den Armen. Und tatsächlich ist es ja so, dass der kleine "Wickie" mit seiner berühmt gewordenen Angst vor Wölfen nicht gerade als Ausbund von Mut und Angriffslust bekannt ist. Trotzdem erringt er den so heiß begehrten Wikingerhelm, indem er seinen Vater mit einer List im Wettkampf schlägt. Für ausgelassenes Feiern bleibt aber kaum Zeit. Während das pfiffige Kerlchen sich im Drachenflug übt, fallen maskierte Wikinger über Flake her und entführen sämtliche Kinder des Dorfs. Auf die flugs einberufene Rettungsmission schleicht sich der Knabe noch als blinder Passagier. Um kurz darauf hinter die wahre Identität der Übeltäter zu kommen. Hinter den Masken stecken nämlich der Schreckliche Sven (Günther Kaufmann) und seine Männer, die sich von den Kindern den Schlüssel zu einem sagenhaften Schatz erhoffen. Wie Wickie seine Kameraden befreit, die bösen Wikinger in die Flucht schlägt und Träumen zum Fliegen verhilft, das geht zwar ein wenig über die Serieninhalte hinaus, steht aber in schönster Tradition zum Klassiker von
Runer Jonsson, dem Bully Herbig mit seiner Realverfilmung ein mächtiges Denkmal gesetzt hat. Das präsentiert sich, wie bei einem Kassenschlager dieses Kalibers nicht anders zu erwarten, auch fürs Heimkino gleich in mehreren Formaten. So lockt neben der Einzel-DVD, die u. a. ein umfangreiches Making-of beinhaltet, eine limitierte Helm-Edition mit Wickies begehrtester Kopfbedeckung als Bonus. Schatzjäger und Bonussammler greifen hingegen zur (neben der "einfachen Blu-ray erhältlichen) Blu-ray-Premium-Edition, die auf einer zusätzlichen Disc mit weiteren exklusiven Inhalten lockt. So gibt es nur hier Deleted Scenes, Highlights aus dem Casting und Wissenswertes über die CGI-Effekte zu sehen, die natürlich nirgends besser funktionieren als auf dem hochauflösenden Medium der Zukunft. Für welches der Medien man sich auch entscheidet, eines ist klar: Mit "Wickie" im Haus ist für die Kids die Wartezeit auf Wickies nächstes Kinoabenteuer nur noch halb so lang. Das allerdings wird sich an dieser nahezu perfekten Adaption erst einmal messen müssen.
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