entertainment magazin von müller

der goldene kompass

»Fantasy mit Seele«

Vom "American Pie" zur gehaltvollen Fantasymär mit vielen Schauwerten und noch mehr Seele: Mit der Verfilmung des ersten Teils von Philip Pullmans "His Dark Materials"-Trilogie gewinnt aufwendiges Fantasykino erstmals seit dem "Herr der Ringe" wieder an Substanz.

Wenn wir die "Harry Potter"-Reihe mal außen vor lassen, bei der alleine schon die enorme Fanbase jeden Teil zum Kassenschlager prädestiniert, unabhängig von seiner jeweiligen Qualität, so gab es seit Peter Jacksons phänomenalen Tolkien-Entwürfen wenig bis gar nichts, was uns in den vergangenen zehn Jahren wirklich für fantastisches Kino begeistern konnte. Was nicht bedeutet, Hollywoods Produzenten hätten nicht alles versucht. Mehrteilige Buchvorlagen mit schwer zu visualisierenden Zauberwelten garantieren bei cineastischem Erfolg schließlich gleich mehrere Fortsetzungen. Ein Geschäft, das man sich nur ungern entgehen lässt. Nur, dass die nachfolgenden Versuche zumindest in Sachen Umsetzung weit hinter den Erwartungen zurückblieben. So schlugen sich die Narnia-Chroniken zwar wacker am Boxoffice, die hier beschworene Gegenwelt wollte aber nie so richtig zum Leben erwachen. Genauso wenig wie Susan Coopers "Wintersonnenwende", die als erster von fünf geplanten Teilen ein moderates Jugendmärchen, aber keinesfalls epische Grandezza evozieren konnte. Insofern waren die Erwartungen an "Der goldene Kompass" trotz Starbesetzung eher gedämpft. Weshalb es uns fast selbst wie ein Märchen erscheint, dass es ausgerechnet dem sonst eher für bissige Komödienkost bekannten Chris Weitz gelungen ist, die gehaltvolle Vorlage von Autor Bill Pullman in schier leinwandsprengende Bilder zu übersetzen. Der Anfang ist also gemacht. Und es bleibt den potenziellen Nachfolgern "Das magische Messer" und "Das                                         

Bernsteinteleskop" vorbehalten, das mit dem "Kompass" gegebene Versprechen weiter einzulösen. Jener bietet bereits inhaltlich mehr Substanz, als es der hollywoodgestählte Zuschauer gewohnt ist. Zu viel für manch konservativen und/oder fundamental-christlichen Beobachter, der in Pullmans Trilogie eine Kritik am weltweiten Christentum und fast blasphemische Züge erkennen wollte. Und das alleine aufgrund der schönen Parallelweltentwürfe, in denen menschlichen Seelen Tierdämonen zur Verkörperung zur Seite gestellt werden, die größte Tragödie beim Verlust der animalischen Seite droht. Auch die junge Lyra (Dakota Blue Richards) verfügt über einen derartig tierischen Begleiter. Und auch sonst ist ihre Welt von der unseren in wesentlichen Aspekten verschieden. Fast schon wie der real gewordene architektonische Traum eines Hayao Miyazaki wirkt ihr Umfeld, gepaart mit ein wenig Jules Verne, wenn viktorianische Pracht und futuristisches Gerät eine Verbindung eingehen, gigantische Luftschiffe die Himmel kreuzen und magische Gegenstände für Wohl und Wehe der Welt sorgen. Von welcher Lyra zunächst noch gar nicht weiß, in welcher Gefahr sie sich befindet. Sie wächst an einem College auf und wird zur Zeugin eines Vortrags, in welchem ihr abenteuerlustiger Onkel Lord Asriel (Daniel Craig) von einer geheimnisvollen Stadt am nördlichen Polarkreis erzählt. Hier vermutet er einen                                         

geheimnisvollen Staub, der den Übertritt in Parallelwelten ermöglichen soll. Eine Expedition soll Klarheit bringen, wird aber vom totalitär wachenden Magisterium mit einem Anschlagsversuch beinahe vereitelt. Zumindest dem Mädchen winkt die Nordexpedition in Gestalt der geheimnisvollen Mrs. Coulter (Nicole Kidman), die für ihren Arktistrip die Begleitung des Mädchens wünscht. Die Entführung ihres besten Freundes Roger, nur eines von vielen Kindern, das ausgerechnet von Mrs. Coulters Organisation zu Experimenten in den hohen Norden verschleppt wird, verzögert das Unternehmen nur. Lyra gelingt die Flucht in besagte kalte Regionen, wo sie neue Gefährten um sich scharen kann, unter anderem den berühmten gepanzerten Eisbären, der den "Kompass"-Machern den Visual-Effects-Oscar eingebracht hat. Zusammen mit ihnen gelingt dem Mädchen die Lüftung des Geheimnisses um Mrs. Coulter und ihre Experimente. Aber zum Luftholen bleibt keine Zeit: Ihr Onkel ist mittlerweile vom Magisterium gefangen genommen worden und nach einer vorentscheidenden (und spektakulär inszenierten) Schlacht bricht die Kleine auf, um Lord Asriel zu befreien und den Parallelweltstaub zu nutzen.

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