entertainment magazin von müller

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»Tot oder lebendig?«

In der Woche, in der Coldplay ihre neue Single "Violet Hill" kostenlos ins Netz stellten, haben zwei Millionen Menschen das recht beatleske Stück heruntergeladen. Der Andrang war so immens, dass die Homepage der Band in den ersten Tagen immer wieder zusammenbrach. So viel ist also klar: Die Welt freut sich, sie freut sich sogar sehr auf die neue Coldplay-Scheibe.

"The Bakery" haben Chris Martin, Will Champion, Jonny Buckland und Guy Berryman ihr neues Hauptquartier genannt. Doch statt kleiner Brötchen wurde hier, in der Fleet Road im feinen Stadtteil Hampstead, in den vergangenen gut 18 Monaten eine große Platte gebacken. Großer Titel inklusive. "Viva la Vida or Death and all his Friends" heißt das vierte Werk von Coldplay, und man darf wohl schon mal feststellen, dass kaum eine Platte in diesem Jahr mit größerer Spannung erwartet wird. Erstmal liegt das natürlich an den nackten Verkaufszahlen. 16 Millionen Menschen haben "A Rush of Blood to the Head" (2002) gekauft, immerhin zehn Millionen dessen Nachfolger "X&Y" (2005). Nummer zwei und drei von Coldplay waren somit die am meisten verkauften Alben ihrer jeweiligen Jahrgänge. "Es ist schon großartig, die am heißesten erwarteten Songs des Jahres zu veröffentlichen", sagte Sänger Chris Martin bereits vor drei Jahren, als "X&Y" rauskam. "Nicht viele Bands haben überhaupt die Chance, dass ihre Musik von so vielen Leuten gehört wird. Jetzt fühlen wir aber auch, dass eine gewisse Verantwortung damit einhergeht. Wir müssen beweisen, dass die Erwartungshaltung da draußen auch gerechtfertigt ist. Wir dürfen keinen Schrott abliefern." Tun sie auch mit "Viva la Vida or Death and all his Friends" nicht. "Unsere ersten drei Alben haben wir sozusagen in Schwarzweiß gedreht", sagt Chris Martin, "dieses hier ist unser erster Buntfilm." Alles ist epischer, mächtiger,                                         

theatralischer, dichter und hymnischer auf dem Viertwerk. "In gewisser Weise waren "2Parachutes", "2A Rush of Blood to the Head" und "X&Y" eine Trilogie, die nun abgeschlossen ist", erläutert Jonny Buckland, der Gitarrist. "Viva la Vida" ist der Beginn einer ganz neuen Phase für unsere Band." Dabei hat es eine Zeit lang ja überhaupt nicht so ausgesehen, als sollte es so bald ein neues musikalisches Statement der erfolgreichsten Rockband des 21. Jahrhunderts geben. "Ihr werdet uns jetzt viele, viele Jahre nicht mehr sehen", verkündete Chris Martin vor zwei Jahren bei der Verleihung der "Brit Awards". Manche deuteten diese Aussage gar als die Ankündigung einer, zumindest vorübergehenden, Trennung. Chris Martin: "Wir waren eine Weile ziemlich zynisch drauf, was Coldplay an sich und was unsere Rolle als Band anging. Uns ging es irgendwie nicht besonders gut zu der Zeit, wir machten uns Sorgen, was Neues zu schreiben und wieder zu kommen. Ich war mir nicht sicher, ob ich überhaupt über mich und über persönliche Dinge schreiben wollte. Aber was wäre die Alternative? Deshalb riss ich mich zusammen und dachte nach." Die Rolle als Superstars und Umsatzgaranten ihrer Plattenfirma spielen Coldplay von jeher nur ungern. Chris Martin und seine drei Kollegen sind schließlich Studienfreunde, auf der Uni in London lernten sie sich vor zehn Jahren kennen. Davon, dass sie einmal die Musikwelt mit ihren Songs prägen würden, konnte damals nun wirklich niemand ausgehen. Aber Coldplay trafen schnell einen Nerv. Britpop war auf dem absteigenden Ast, die Leute sehnten sich nach Melodien und schwelgerischen, üppigen                                         

Klängen. Bei Coldplay-Songs wie "Yellow" waren sie genau an der richtigen Adresse. Die Musik der Truppe wurde zum Allgemeingut und vor allem Chris Martin zu einer öffentlichen Person. Erst recht seit seiner Hochzeit mit US-Schauspielerin Gwyneth Paltrow vor fünf Jahren ist Martin ein Promi. Doch er hasst die Rolle, gibt in Interviews keinerlei Auskunft über seine Frau oder seine Ehe. Gemeinsame Auftritte meidet er, was naturgemäß zu Gerüchten über den Stand der Beziehung führt, die aber zumindest laut Paltrow lächerlich und unzutreffend seien. "Wenn ich mit meiner Frau und meinen Kindern Apple und Moses unterwegs bin, dann ist es manchmal unerträglich, wie sehr die Fotografen hinter mir her sind", beklagt er sich. Dem einen oder anderen Sensationsreporter hat der 31-Jährige folgerichtig auch schon mal ein paar auf die Nase gegeben. "Die meisten Menschen auf diesem Planeten behandeln mich aber ganz normal." Ein Leben jenseits des Rock-’n’-Roll-Glitzers ist allen vier Musikern wichtig. Alle sind sie inzwischen Vater geworden, in einem Jahrzehnt Coldplay wandelten sie sich stetig von Jungs zu Männern. Aber als sie sich nach halbjähriger Pause und allen Gerüchten zum Trotz doch wieder zusammenfanden, um mit der Arbeit am neuen Album zu beginnen, müssen sie mit einer geradezu kindlichen Spielfreude ans Werk gegangen sein.

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