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kaiser chiefs »Bart Simpson Goes Brit-Pop« |
Einige Bands brauchen Jahre, um ein Album aufzunehmen. Andere nur ein paar Monate. Wie die Kaiser Chiefs aus Leeds. Die spielten ihren dritten Streich "Off With Their Heads" in Rekordzeit ein -trotzdem zählt er zum Besten, was die britische Popmusik anno 2008 zu bieten hat.
Ob Noel will, oder nicht . Der Mann im fünften Stock des Londoner Designerhotels "St. Martin's Lane" ist genervt: Ricky Wilson, 30-jähriger Sänger der Kaiser Chiefs, hat einen Marathon aus 18 Gesprächen mit der versammelten europäischen Presse vor der Brust, und wird immer wieder auf das eine Thema angesprochen: seinen Disput mit Oasis-Chef Noel Gallagher, der langsam aus dem Ruder läuft. "Er spricht in jedem Interview darüber, und deshalb werde auch ich immer darauf angesprochen -und rede dann mehr über ihn als über unser Album. Eine ganz linke Masche", echauffiert sich der ehemalige Kunstlehrer aus Leeds. "Dabei müsste ich eigentlich stolz darauf sein. Schließlich ist er eines unserer großen Idole, und die Tatsache, dass er über uns herzieht ist eigentlich ein Riesenkompliment. Wobei es gerade deshalb aber auch ein bisschen weh tut." Hintergrund der Geschichte: Wilson hatte in einem Pub lautstark über Gallagher gelästert. Woraus ein anwesender Reporter des Revolverblatts "The Sun" eine entsprechende Story machte, die Noel nun eine Breitsalve nach der anderen abfeuern lässt. Doch das ist nicht das Einzige, was Ricky derzeit einstecken muss. Zur
Veröffentlichung des dritten Albums wird er von allen Seiten mit nachträglicher Kritik zu "Yours Truly, Angry Mob" vom Februar 2007 konfrontiert -trotz ansprechender Verkäufe und des Ohrwurms "Ruby". "Der hat den Rest des Materials komplett überlagert. Dabei finde ich es eigentlich gar nicht so schlecht -also längst nicht so, wie viele Leute es im Nachhinein sehen. Wenn überhaupt, dann fehlt ihm vielleicht etwas von der Unbekümmertheit und Verrücktheit des Debüts. Wir sind da zu ernst rangegangen. Aber das war diesmal nicht der Fall. Das neue ist wieder wie Scooby Doo -also ziemlich spooky und verrückt." Was pures Understatement ist: "Off With Their Heads" ist ein Meilenstein der 12-jährigen Bandgeschichte und das bislang beste, weil vielseitigste Album des Quintetts. Eben eine musikalische Wundertüte aus New Wave, Retro-Rock, Ska und orchestrierten Popsongs, die sich gleichermaßen bei Beatles, Kinks, Who, Gang Of Four, Madness und XTC bedienen. Quasi "the best of British". Ein Vergleich, mit dem Ricky aber nicht wirklich glücklich ist. "Klar ist es ein Mix aus allem, mit dem wir aufgewachsen sind. CD-Sammlungen durchstöbert und einfach das Beste daraus zusammengeklaut hätten. Und wir versuchen auch nicht, den Britpop der 90er zurückzubringen. Selbst, wenn das eine Zeit war, die ich sehr intensiv wahrgenommen habe. Insofern sind die Anleihen wohl unumgänglich -sie sind einfach da." Und führen, wie im Falle von "Never Miss A Beat", sogar zu einem Ohrwurm, der "I Predict A Riot" oder "Ruby" in nichts nachsteht.
Nicht nur wegen der unwiderstehlichen Hooks, sondern auch wegen des Texts mit der markanten Zeile: "It's cool to know nothing." Der Stoff, aus dem Teenhymnen sind -und besorgte Eltern. "Die werden bestimmt nicht glücklich darüber sein, keine Frage. Aber es nicht so, als würden wir lange darüber nachdenken, was wir da machen und welche Konsequenzen das hat. Wir tun es einfach. Und es ist ja ein offenes Geheimnis, dass die frechen Kinder in der Schule immer den meisten Spaß haben. Das ist wirklich so. Dafür bedarf es eines gesunden Misstrauens gegenüber jeder Form von Autorität -das ich nie hatte. Deswegen war ich immer sehr neidisch auf sie. Denn auch ich wollte Bart Simpson sein. Und genau darum geht es in dem Stück: um ein bisschen lustige Rebellion."
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