entertainment magazin von müller

snow patrol

»Gary und die Frauen«

Am liebsten würde Gary Lightbody an diesem Vormittag nicht über seine, sondern über andere Bands sprechen.

Gut, am allerliebsten würde der Sänger und Texter von Snow Patrol in diesem Moment noch gar nicht sprechen, denn es ist kurz nach zehn an einem kalten Berliner Oktobermorgen, und alles vor 11 Uhr sei für ihn ziemliche Quälerei, aber da kann man jetzt nichts machen. Um wach zu werden, stopft Lightbody, der im nordirischen Belfast zur Welt kam, in kurzer Zeit sehr viele Weintrauben in sich hinein, anschließend macht er sich daran, einen Apfel zu verspeisen. "Scheißgesunde Ernährung", grummelt er, wenngleich es ein eher freundliches Grummeln ist. Er hat auch diesbezüglich keine andere Wahl, auf dem Tisch liegt ausschließlich Obst. Aber zurück zu den anderen Bands. "Ich erzähle dir jetzt, wer meine                                         

Lieblingsmusiker sind", schmatzt Gary nach kräftigem Apfelbiss. "Das ist viel lustiger, als wenn ich jetzt andere Bands niedermachen würde. Das tue ich nie, denn das ist kindisch und nützt niemandem etwas. Jedenfalls bewundere ich Elbow über alles. Ich würde mir sehr wünschen, dass auch wir eines Tages so gut sind, dass wir ein solch herausragendes Album machen können, wie es Elbow in diesem Jahr mit "The Seldom Seen Kid" gelungen ist. Darauf haben sich die Jungs um 100 Prozent gesteigert. Gegen Elbow sind wir selbst noch echte Dilettanten." Bevor wir jetzt endlich, denn                                         

dafür sind wir ja hier, über Snow Patrol und ihr nun auch sehr gelungenes Neualbum "A Hundred Million Suns" sprechen, schweifen Lightbodys Gedanken ein weiteres Mal ab. "Geht das überhaupt?", fragt er. Was? "Sich um 100 Prozent steigern. Oder ist das mathematisch nicht möglich?" Der 32-Jährige fühlt sich beim Songschreiben offenkundig doppelt so wohl wie beim einfachen Dreisatz. "Die neue Platte ist ein Schritt nach vorne, aber auch ein Schritt zur Seite. Die Echos der Vergangenheit von Snow Patrol sind durchaus noch zu vernehmen, aber wir betreten auch viele neue Pfade, sind als Band rhythmischer geworden und erwecken zumindest den Anschein, dass wir uns entwickeln und in unserem Können expandieren."

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