entertainment magazin von müller

fallout 3

»Keine Ausfallerscheinungen«

Dass die postnukleare Welt nicht aussieht wie Disneyland, konnte man sich denken, aber das Bild, welches im neues ten Teil der Fallout-Saga gezeichnet wird, degradiert sämtliche Geschichten um die Apokalypse zum kleinen feinen Betthupferl.

Das hat Geschichte, denn als 1997 der erste Teil der Serie erschien, überraschte man Rollenspielfans durch ein schockierendes Szenario. Bis dato schlugen sich die nämlich ihre Zeit im Mittelalter tot, hauten unschuldigen Orks die Birne ein oder ritten auf Einhörnern durch fantastische Welten. Langweilig, dachten sich die Fallout-Macher und entwarfen ein etwas anderes Szenario. Das rundenbasierte Rollenspiel entführte seinen Spieler in eine düstere Zukunft, in eine Welt, die ein wenig an die Mad-Max-Filme erinnerte, in der es aber keinen strahlenden Helden wie Mel Gibson gab. Das Einzige, was hier strahlte, war die Radioaktivität, die die Menschheit dazu zwang, in Bunkern zu leben. Irgendwo hier setzt auch der dritte Teil ein. Unter der Erde gibt es einen kleinen Haufen von Überlebenden, die sich mit ihrer Situation arrangiert haben und den "American Way Of Life" weiterleben. Die kleinstädtische Idylle findet ein jähes Ende, als                                         

eines Tages die Tür des Bunkers offen steht und der Vater des Protagonisten verschwunden ist. Von der Neugier gepackt verlässt man den Schutzraum und begibt sich auf die Suche nach seinem Erzeuger. Dabei tritt man in eine Welt, in der das Chaos regiert. Und ehe man überhaupt begreift, auf was man sich da eingelassen hat, steckt man mitten im Kampf mit Mutanten oder Banden von postnuklearen Glücksrittern, die sich für einen Dollar mehr gegenseitig die Kehle durchschneiden würden. Die Welt von "Fallout 3" ist gefährlich, wodurch jeder Schritt und jede Minute zum bedrohlichen Abenteuer für den Spieler wird. Was mag sich hinter der nächsten Ecke verbergen und was lauert dort im Schatten auf mich? Ähnlich wie bei "Bioshock" ist das Spiel groß darin, Dinge nicht zu zeigen, dabei aber dem Spieler sehr wohl zu suggerieren, was dort sein könnte. Wie in guten Horrorfilmen läuft so ein großer Teil des Spiels vor allem im Kopf ab. Die grollende Soundkulisse tut dabei ihr Übriges und grafisch ist "Fallout 3" ein                                         

designtechnisches Meisterwerk. Jedes noch so kleine Detail ist absolut stimmig und macht das kontaminierte Terrain für den Spieler zu einer blühenden Landschaft. Der nicht lineare Spielverlauf lässt einem beim Erkunden des Spiels die größtmögliche Freiheit, könnte aber bei weniger erfahrenen Spielern zum Knackpunkt werden, da diese sich in der riesigen Welt etwas verloren fühlen könnten. Auch Fans der Serie müssen sich umstellen, denn die ehemals rundenbasierten Kämpfe laufen nun komplett in Echtzeit ab. Für die Dynamik des Spiels ist diese Neuerung allerdings zuträglich, denn so wird das Gameplay noch kurzatmiger und strotzt vor unkontrollierbaren Adrenalinschüben. "Fallout 3" ist wie der finstere Blick in eine Kristallkugel: düster, depressiv und gleichermaßen zukunftsweisend.

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