entertainment magazin von müller

franz ferdinand

»James Brown Goes Moskau«

Für jemand, der eine dreijährige Plattenpause hinter sich hat, ist Alex Kapranos ausgesprochen unkommunikativ. Zusammen mit Bassist Bob Hardy sitzt er im Büro seiner Plattenfirma, schlürft Kaffee, starrt seine Schuhe an und beschränkt sich auf ein informatives Minimum. Dabei ist es das erste Gespräch eines zweitägigen Interviewmarathons, und der 36-jährige Schotte griechischer Abstammung sollte eigentlich frisch und vergnügt sein.

Doch weit gefehlt: "Wir haben Riesenstress, weil wir die ganze Zeit durch die Gegend fliegen, mit unglaublich vielen Leuten reden und zudem noch Clubgigs spielen -in Amerika und Europa." Dabei wäre weniger ganz klar mehr. Vor allem für den enttäuschten Schreiberling, der sein Gegenüber kaum wiedererkennt. Aber so ist das halt, wenn man auf allen Partys gleichzeitig tanzen und verlorenen Boden gutmachen will. Schließlich sind Franz Ferdinand längst nicht mehr die Hipster wie noch zu Beginn des Jahrtausends, als sie mit ihrem gleichnamigen Debüt und Hits wie "Take Me Out" oder "The Dark Of The Matinée" in aller Ohren waren. Da haben sich inzwischen die Artic                                         

Monkeys, Kings Of Leon und Kaiser Chiefs eingenistet, und Kapranos und Co. müssen anlässlich ihres dritten Albums wieder bei null anfangen. Wozu sich die ehemaligen Kunststudenten eines ebenso simplen wie effektiven Tricks bedienen. Mit "Tonight: Franz Ferdinand" wählen sie einen Titel, der instinktiv an "The Dark Of The Matinée" erinnert -weil er dasselbe mentale Bild bemüht: das leuchtende Neonschild über einem Kino-oder Konzertsaal, das beim Betrachter hemmungslose Vorfreude auf das Kommende auslöst. Ein Satz wie von einer cleveren Werbeagentur. Und für Kapranos mit einer klaren Assoziation behaftet: "Das ist der Moment, wenn die Nacht beginnt, sich das Adrenalin in deinem System aufbaut und du weißt, dass etwas Großes passieren wird." Was nach gesundem Selbstbewusstsein klingt und den Nagel auf den Kopf trifft. Denn die zwölf Stücke drehen sich nur ums                                         

eine: einen feucht-fröhlichen Abend auf der Piste. Mit Wein, Weib und Gesang, in einem heißen Club und jeder Menge tanzbarer Tunes. Wobei sich der Hörer auf eine Reihe von Überraschungen einstellen darf. Angefangen bei einer geballten Ladung Testosteron, die sich wie ein roter Faden durch das Party-taugliche Werk zieht und in Zeilen wie "c'mon let's get high" ("Ulysses"), "No question: look what she came for" ("What She Came For") oder "I'm living in lucid dreams" ("Lucid Dreams") entlädt. "Natürlich geht es um Sex, ums Tanzen, Trinken und Spaßhaben", so Kapranos schelmisch. "Aber es ist nicht so, als hätten wir die letzten Jahre nichts anderes gemacht. Im Gegenteil: Es ist eher reines Wunschdenken, denn genau dafür hatten wir keine Zeit. Und es gibt ja dieses Sprichwort: Ist ein Pferd zu lange im Stall, will es ausbrechen. Ich schätze, bei uns war das nicht anders."

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