entertainment magazin von müller

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»Die Liga der außergewöhnlichen Superhelden«

Superhelden sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. In Zack Snyders kongenial epischer Umsetzung von Alan Moores Jahrhundertcomic werden sie zur Bedrohung für die Menschheit. Der Kampf für die Zukunft wird zur visuell eindrucksvoll bebilderten Gewissensentscheidung.

Der gute Alan Moore, bitter enttäuschter Autor der Vorlagen zu den seiner Ansicht nach missglückten Comicverfilmungen "Liga der außergewöhnlichen Gentlemen", "From Hell" und "V for Vendetta", sollte sich eigentlich ein bisschen schämen. Denn ohne das fertige Produkt gesehen zu haben, hat er seinen Namen vom "Watchmen"-Filmprojekt abgezogen und über die Unverfilmbarkeit seines Mammutcomics doziert. Ein Fehler, wie sich im Nachhinein herausstellte. Denn Zack Snyder ("300"), selbst ergebener Fan der Vorlage, hat mit akribischer Genauigkeit und tricktechnischer Perfektion eine kleine Sensation und so das geschaffen, woran u. a. Terry Gilliam und Darren Aronofsky gescheitert waren: eine ultrabrutale und visuell bahnbrechende Comicverfilmung, die der komplexen Vorlagenstruktur mehr als gerecht wird; einen Actionblockbuster mit Hirn und Herz und so -dank der nun erfolgten Inkorporierung des Comic im Comic "Tales of the Black Freighter" -ein Gesamtkunstwerk, das im Bereich der Popkultur seinesgleichen sucht. Willkommen in den etwas anderen 80er Jahren des 20. Jahrhunderts. Bereits die Eingangssequenz gehört zum Besten, was das Kino 2009 zu bieten hatte. Zu den Klängen von Bob Dylan werden wir hier in den parallelen Geschichtsstrang eingeführt, der zu einem 1985 führt, in dem die Supermächte USA und UdSSR kurz vor dem dritten Weltkrieg stehen. Seit den 40er Jahren haben sich Gerechtigkeitsfanatiker unter Masken verborgen, um -ohne Superkräfte -als Minutemen gegen die Verwahrlosung der Gesellschaft anzutreten. Eine zweite Generation von Superhelden, die titelgebenden "Watchmen", tritt deren Nachfolge an, fällt nach ihrem rücksichtslosen Vorgehen bei Demonstrationen u. Ä. aber einem allgemeinen Verbot der "Vigilanten" zum Opfer. Lediglich Dr. Manhattan, der nach einem Atomunfall einzig übernatürlich begabte "Held", und der rücksichtslos operierende                                         

Comedian arbeiten weiter im Auftrag der Regierung. Und entscheiden mit unfassbarer Härte sowohl Vietnamkrieg als auch die Iraner Geiselaffäre für die USA. So kann es auch kommen, dass Nixon immer noch Präsident der USA ist. Und dass der gealterte Comedian ein Schicksal findet, welches die prä-apokalyptischen Ereignisse erst in Gang setzt. Von einem unbekannten in seinem Appartement attackiert, stürzt er unmaskiert in die Tiefe und löst somit nicht ausschließlich polizeiliche Ermittlungen aus. Denn auch sein ehemaliger Kollege Rorschach (Jackie Earle Haley als darstellerische Entdeckung) versucht herauszufinden, was hinter dem Mordanschlag steckt und gleichzeitig, die ehemaligen Kollegen aus ihren jeweiligen bürgerlichen Existenzen zurückzuholen. Sowohl bei Jane Juspeczyk a.k.a. Silk Spectre als auch bei Daniel Dreiberg (Nite Owl), dem Großindustriellen Adrien Veidt (Ozymandias) und Dr. Manhattan findet der paranoide und gezeichnete Rorschach zunächst kein Gehör. Erst, als weitere Todesfälle eine Verschwörung gegen die Watchmen vermuten lassen und Rohrschach im Gefängnis landet, werden die ehemaligen Watchmen aktiv. Doch nachdem Nite Owl und Silk Spectre Rorschach aus dem Gefängnis befreit haben, stehen sie vor noch größeren Problemen: Denn infolge einer Verleumdungskampagne hat sich mit Dr. Manhattan der personifizierte Rüs-tungsvorsprung der USA auf den Mars abgesetzt. Die Welt steht vor der nuklearen Katastrophe. Und irgendjemand scheint tatsächlich davon profitieren zu können … Das höchst komplexe Geschehen der "Watchmen" wirft viele Fragen auf. Wie würde die reale Welt auf die Selbstjustiz selbsternannter Superhelden reagieren? Welche Folgen hätte deren Handeln auf die Weltgeschichte? Und, wichtiger noch: Was wären jene zu opfern bereit, wenn es das höchste Gut zu                                         

erreichen gilt? In seiner Konsequenz und der bedingungslosen Dekonstruktion des Superheldenmythos geht "Watchmen" -als Comic und als Film -noch einige Schritte weiter als der jüngst für seinen Fatalismus so gerühmte "Dark Knight". Denn einige der Antworten, die sich der Zuschauer letztlich selbst zu geben hat, sind höchst unbequem und laden zu faszinierenden Erörterungen bis weit nach Filmende ein. Diskussionen, die durch die Einbindung des nur bei Müller im Steelbookset mit dem Hauptfilm erhältlichen Animationsfilms "Tales of the Black Freighter" (ansonsten separat erhältlich) weiteres allegorisches Futter bekommen. Der Comic-im-Comic erzählt im direkten Zusammenhang mit den "Watchmen" eine blutige Piraten-Zombie-Geschichte, deren Einbindung in die Special Edition das Müller-exklusive Set zur einzigen FSK-18-Fassung in Deutschland macht (das viel diskutierte FSK-Logo befindet sich übrigens nicht auf dem Steelbook selber!). Neben etlichem Bonusmaterial auch mit auf der "Black Freighter"-Scheibe: eine Fakedokumentation zum Enthüllungsbuch eines ehemaligen Minuteman. Genug Stoff also, um in die somit kompletteste filmische Annäherung an die "Watchmen" einzudringen, die überhaupt menschenmöglich war. Vielleicht begreift das auch Alan Moore in naher Zukunft. Denn nicht nur die Fans der Comicvorlage sollten mächtig dankbar für das sein, was aus den gezeichneten Panels auf der großen (und kleinen) Leinwand geworden ist: die anspruchsvollste und bislang beste Comicverfilmung aller denkbaren Welten. Watch Out!

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Den gesamten Text der Titelstory sowie viele weitere Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe der mbeat, die kostenlos für Sie in Ihrer nächsten Müller-Filiale mit Multi-Media-Abteilung ausliegt.