![]() |
der kaufhaus cop »Sicherheit macht niemals Urlaub« |
Von der Couch auf den Electroscooter: Der "King of Queens" wechselt das Metier. Und darf als übergewichtiger Bruce Willis im Kaufhausformat sein gesamtes komödiantisches Potenzial ausspielen.
Dick ist schon längst nicht mehr doof. Neun Jahre lang hat uns Kevin James mit seiner ganz eigenen Interpretation des Paketzustellerjobs zum (vor Lachen) Weinen gebracht, die Grenzen zwischen Gemütlichkeit und Faulheit verschwimmen lassen und uns so selbst über Stunden an die Couch gefesselt. Als Doug Heffernan ist er trotzdem vor allem in Deutschland zum Kultstar geworden, in seiner amerikanischen Heimat konnte der "King of Queens" nie die Ausnahmestellung erlangen, die er hierzulande errungen hat. Dort musste erst ein Will Smith kommen und ihn mit "Hitch – Der Date Doktor" auch zum Leinwandhelden krönen. Eine vorgespielte homosexuelle Beziehung zwischen "Chuck & Larry" später ist es auch schon so weit: Kevin James stemmt zum ersten Mal alleine ein großes Kinoprojekt und entpuppt sich auch so als Boxofficegranate. Mit knapp 150 Millionen Dollar Einspiel ist sein "Kaufhaus Cop" eine der Komödiensensationen des Jahres. Und für jene hat sich der gemütliche Dicke nicht einmal groß verändern müssen. Lediglich die Uniform sieht ein wenig anders aus, ein Schnäuzer suggeriert Badass-Attitude zwischen Bronson und Magnum, der Rest ist knuddelig, liebenswert und hoffnungslos selbstüberschätzt. Zumindest, was seine beruflichen Fähigkeiten betrifft. Denn privat ist dieser Paul Blart mit seiner Mutter und der cleveren Tochter alleine. Seine Ex hat ihn einfach sitzen lassen. Und weil er dank narkoleptischer Anfälle in schöner Regelmäßigkeit bei den Aufnahmeprüfungen zur Polizei durchrasselt bzw. einschläft, bleibt ihm nur der Job als Wachmann im örtlichen Einkaufszentrum. Oder besser: Als hiesiger "Officer". Denn als solcher sieht sich der übergewichtige Pedant trotzdem, kein Winkel, der ihm nicht bekannt wäre in der Mall und kein noch so kleines "Verbrechen", das nicht der Ahndung bedarf.
Weshalb sich Paul nicht nur vor Kollegen auf seinem Scooter regelmäßig zum Affen macht. Der Geschwindigkeitsverstoß eines berollstuhlten Rentners oder die Auseinandersetzung zweier keifender Kundinnen, man darf sich sicher sein, dass der "Kaufhaus Cop" selbst dann in ein Fettnäpfchen tritt, wenn überhaupt keines vorhanden ist. Immerhin interessiert sich Haarteilverkäuferin Amy für den allseits veräppelten Narkoleptiker, was den Guten so nervös werden lässt, dass er im Alkoholrausch noch sämtliche verbliebenen Näpfchen frequentiert.
Dann aber naht die Chance, sich endgültig als der zu beweisen, der er immer schon zu sein glaubt. Denn kurz vor Weihnachten stürmt eine Gruppe extremsportbegeisterter Gangster das Shoppingcenter und nimmt u. a. auch Amy als Geisel. Ihr Ziel: die Kombination für ein Geheimkonto auf den Caymans, das vor Weihnachtseinnahmen nur so überläuft. Ihr Problem: Auch Paul Blart hält sich noch im Gebäude auf und ist nicht einmal von den Polizeihundertschaften herauszulocken, die das Gebäude bereits umstellt haben … Schließlich ist seine Traumfrau in Gefahr. Mit Klasse löst der Wachmann nun, was ihm in der Masse niemand zugetraut hätte: Er macht das Kaufhaus und dessen Angebote zu seinem ureigensten Waffenarsenal und schaltet die Gangster in bester "Stirb langsam"-Manier (nur ohne das Sterben) einen nach dem anderen aus. Aber als er sich bis zu den Geiseln durchgekämpft hat, gehört auch seine eigene Tochter mit zu den Gefangenen. Und jetzt ist auch der verbliebene Oberboss nicht mehr bereit, sich auf die infantilen Methoden seines Widersachers einzulassen. Sprich: Es wird todernst … Was das bei jemandem wie Kevin James bedeutet,
kann sich jeder selbst ausrechnen. Denn so familienfreundlich und umgänglich, wie er als Mensch ist, wirkt auch sein erstes eigenes Großprojekt (für das er auch am Drehbuch mitgewirkt hat). Der "Kaufhaus Cop" ist eine Art "Einer gegen alle"-Thriller mit pädagogischer Botschaft, ein Film, der innere Werte wie Mut und Aufopferungsbereitschaft in den Mittelpunkt rückt und für den die Familie am Ende das meiste gilt. Und der auf die befreiende Wirkung des Lachens setzt, seine physischen Auseinandersetzungen stets auf "Kevin allein zu Haus"-Niveau auch kindertauglich bleiben lässt. Kein Wunder also, dass "Der Kaufhaus Cop" auch in Deutschland zu einem Renner bei Jung und Alt geworden ist. Ein Erfolg, der sich auf DVD und Blu-ray fortsetzen wird. Alleine schon der unzähligen Featurettes wegen, die sich neben der Hauptfigur Kevin James auch den sportlichen Actionsequenzen rund um die Parkouring-und Freesportspezialisten drehen. Und dass entfallene Szenen und vor allem der Audiokommentar von Kevin James noch für zusätzliche Zwerchfellmassage sorgen, versteht sich von einem komödiantischen Schwergewicht seiner Güteklasse von selbst. Bleibt eigentlich nur eines zu hoffen: Dass der "King of Queens" sich auch in Zukunft nicht allzu weit von seiner Paraderolle entfernt …
Den gesamten Text der Titelstory sowie viele weitere Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe der mbeat, die kostenlos für Sie in Ihrer nächsten Müller-Filiale mit Multi-Media-Abteilung ausliegt.
Weitere Artikel: