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harry potter und der halbblutprinz »Die Leiden des jungen Potter« |
Vom Zauber der Jugend zur Last des fast Erwachsenen: Mit dem "Halbblutprinz" biegt Harry Potter auf die Zielgerade ein und muss sich mit Hormonen, Horkruxen und einem schrecklichen Verlust herumschlagen.
Acht Jahre ist es her, dass sich ein bebrillter und darstellerisch nicht unbedingt talentierter Nobody namens Radcliffe aufmachte, dem beliebtesten Kinderbuchhelden der Neuzeit sein Gesicht zu leihen. Acht Jahre, in denen der kleine Brite nicht nur äußerlich sichtbar gewachsen ist. Zusammen mit seiner Figur ist der ehemalige Zauberlehrling auch ernsthafter geworden, ein junger Erwachsener, für den "Kammern des Schreckens" und "Steine der Weisen" die geringsten seiner Probleme sein dürften. Die Sorgen des jungen Potter sind universellerer Natur: Wohin mit dem ganzen Hormonüberschuss, der seinen Ausdruck in erstem Verliebtsein und Schmetterlingen im Bauch findet? Wie umgehen mit der gewachsenen Popularität und dem Techtelmechtel-Hin-und-Her im Freundeskreis? Vor allem aber: Was tun, um den Übergriffen der Todesser auch auf die Mugglewelt Einhalt zu gebieten und ihren Anführer Lord Voldemort ein für alle Mal zu besiegen? Liebe und andere Katastrophen Denn in der eindrucksvollsten Actionsequenz des sechsten Potter-Films lassen die Armeen des dunklen Lords gleich zu Beginn keinen Zweifel daran, dass sie ihr Treiben längst nicht mehr nur auf die Zauberwelt beschränken wollen. Neben allerlei Geschäften der Winkelgasse wird nämlich auch Londons Millenium Bridge in Schutt und Asche gelegt, ein deutlich sichtbares Zeichen dafür, wie weit der Herrschaftsanspruch Voldemorts bereits reicht. Harry hat indes noch andere Probleme. Er wird von Professor Dumbledore aus dem heftigen Flirt mit einer Cafébedienung gerissen und muss so erfahren, dass ein Auserwählter seine Aufgabe vor die pubertären Schübe zu stellen hat. Der
Schulleiter von Hogwarts benötigt seinen Schüler nämlich dafür, Professor Slughorn als Lehrer zurückzugewinnen, denn wie sich herausstellt verfügt jener über eine Erinnerung an Tom Riddle, der von entscheidender Bedeutung für das Vorgehen gegen den bösen Erzmagier ist. Denn es sind vor allem konservierte Erinnerungen, durch die sich Potter und Dumbledore diesmal ihren Weg zu Voldemort bahnen müssen. Der hat zu Beginn seiner Karriere seine Seele auf sechs Horkruxe verteilt, um so die eigene Vernichtung fast unmöglich zu machen. Und in diversen
Sondersitzungen versuchen Dumbledore und Potter die (nach der Vernichtung von Tom Riddles Tagebuch) fünf verbliebenen Seelenteile aufzuspüren. Aber das ist nur ein Teil des schulischen Lebens. Der andere gehört der Ausbildung in Sachen Zaubertränken, in denen sich Harry dank des Schulbuchs eines ominösen "Halbblutprinzen" als erstaunlich talentiert erweist. Und dann ist da ja auch noch das Quidditch-Spiel, dem diesmal vor allem Ron seinen Stempel aufdrücken darf. Hier kristallisiert sich dann auch das zentrale Thema des sechsten Potter-Films stärker heraus: Schwärmerei und erstes Liebesleid -Ron mit Lavender statt mit Hermine, die wiederum tröstet sich schwer beleidigt mit einem anderen, während Harry ausgerechnet auf die Schwester seines besten Freundes steht, die aber auch schon anderweitig vergeben scheint. So wähnt man sich eine Zeit lang fast schon in einem "High School Musical", wäre da nicht die latente Bedrohung, die im (gescheiterten und ziemlich gruseligen) Versuch
gipfelt, einen weiteren Horkrux zu zerstören. Weil in der Zwischenzeit Draco Malfoys zersetzerisches Tun Wirkung zeigt und auch Severus Snape aus der Reserve gelockt wird, steht am Ende des Halbblutprinzen eine echte Tragödie. Und die Weichen für die abschließenden beiden Verfilmungen zu den "Heiligtümern des Todes" sind endgültig gestellt. Erwachsen auf Probe Und genau das muss Regisseur David Yates, der nach dem "Orden des Phoenix" auch die letzten Verfilmungen in Angriff nehmen durfte, auch im Sinn gehabt haben. Sein "Halbblutprinz" wirkt wie ein letztes Atemholen, bevor es im düstersten letzten Teil um Alles oder Nichts geht. Die vermeintliche Schwäche -weniger Action und Effekte -wird so zur Stärke des jüngsten Harry-Potter-Films. Denn ausführlich wie nie zuvor widmet sich ein Regisseur den Figuren aus dem Hogwarts-Kosmos und lässt uns so teilhaben an den Irrungen und Wirrungen, die neben den Schülern auch die mitgewachsenen Potter-Leser durchmachen müssen. Das bietet nicht nur den jugendlichen Schauspielern die Möglichkeit, darstellerisch einiges an Boden gut zu machen, es ist auch Ausdruck einer natürlichen Entwicklung, die aus Popcornunterhaltung (die ersten beiden Teile) zunehmend ernster werdendes Kino auch für (junge) Erwachsene hat werden lassen.
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