![]() |
»Drunken Masters« |
Wenn der Sensationserfolg der Katerkomödie ein Indikator für den hohen Identifikationsgrad beim Publikum ist, dann Gute Nacht. Denn was der flüssige Brennstoff hier bei einem Junggesellenabschied anrichtet, fällt unter die Kategorie "Apokalypse Alkohol".
Wir kennen das aus Christopher Nolans legendärem Gedächtnisschwundthriller "Memento". Ein Typ mit fehlendem Kurzzeitgedächtnis musste hier das Geschehen von hinten aufrollen, was dem Zuschauer den vielleicht ungewöhnlichsten Thriller der letzten zehn Jahre bescherte. Weil der Regisseur von "Hangover" Todd Phillips heißt, sind die kriminalistischen schwer humoristischen Motiven gewichen. Schließlich ist Phillips neben dem durchwachsenen "Starsky & Hutch"-Remake für die legendären Kultkomödien "Road Trip" und "Old School" verantwortlich, in denen der Teufel Alkohol bereits eine nicht ganz untergeordnete Rolle spielen durfte. In "Hangover" nun übernimmt er -neben anderen nicht immer legalen Substanzen -die Hauptrolle. Wenn auch nur rückblickend. Zunächst ist da der angehende Bräutigam Doug (Justin Bartha), der es zusammen mit seinen Freunden, dem Lehrer und Womanizer Phil (Bradley Cooper) und dem nerdigen Zahnarzt Stu, auf einem Vegas-Trip noch einmal krachen lassen will. Weil auch sein künftiger Schwager Alan (stiehlt allen die Schau: Zach Galifianakis) mit von der Partie ist, wird aus dem Spaß-bald ein Horrortrip. Zumindest hat das den Anschein, als uns der Film nach dem auf dem Hoteldach eingenommenen "Aperitif" direkt mit dem Morgen danach konfrontiert. Das Hotelzimmer als verwüstet zu beschreiben, wäre untertrieben, die Löcher in Teppich und Sofas scheinen größer als die Augenringe der nur mühsam
erwachenden Rekonvaleszenten und das Baby, welches das Trio im Schrank findet, ist noch längst nicht die größte Überraschung. Wir sagen nur "Tiger" und "Badezimmer". Außerdem "Bräutigam in spe". Der nämlich ist plötzlich unauffindbar. Was sich angesichts der bevorstehenden Rückreise und Hochzeit als echtes Problem herausstellt. Wer nun glaubt, die bevorstehende Suche nach Doug konfrontiere uns mit den Ursachen des extrem aus dem Ruder gelaufenen "Hangover", der sieht sich getäuscht. Stück für Stück
präsentieren uns Phillips und seine blendend aufgelegten Darsteller lediglich die Ergebnisse der offensichtlich ganz wilden Feierei. Angefangen beim Polizeiwagen, den man irgendwann im Hotel eingecheckt hat, über die Stripperin, die der schüchterne (und verheiratete) Stu geehelicht hat (und von der das Baby stammt), bis hin zum Inhalt des Kofferraums besagter Copkutsche, der nicht ganz ungefährliche Folgen für die verkaterte Suchmannschaft haben könnte. Nicht eingerechnet ein aufgebrachter Mike Tyson, bei dem man offensichtlich den Tiger entwendet hat. So türmt sich mit jedem Fragezeichen ein humoristisches Glanzlicht auf das nächste, und es ist dem "Hangover"-Team hoch anzurechnen, dass dabei nicht allzu tief in die Regionen unterhalb der Gürtellinie gegriffen bzw. gegangen wird. Zumindest nicht bis ganz zum Schluss. Denn der Abspann dürfte als größter Pay-off-Moment ins Filmjahrbuch Eingang finden. Hier nämlich wird -ausschließlich anhand unbewegter Dias -in
schneller Abfolge der vorangegangene Abend rekonstruiert. In Kenntnis der Ergebnisse ein Vergnügen, das sich niemand entgehen lassen darf. Und von dem wir hoffen, dass es in bewegter Form Eingang in das bereits geplante Sequel findet. Zusammen mit der Erklärung für das verdammte Huhn im Hotelzimmer. Die bleibt Phillips uns nämlich schuldig. Verzichten müssen zumindest die DVD-Nutzer auch auf etliches Bonusmaterial, das im Falle von "Hangover" vor allem der Blu-ray vorbehalten wurde. Während auf DVD immerhin Featurette, Music-only-Track und Gagreel teilweise für zusätzliche Lacher sorgen, kann man auf Next-Gen-Scheibe buchstäblich sein "blaues" Wunder erleben. In zweifacher Hinsicht. Neben perfektem Bild und Ton für die "blauen" Stunden unserer Junggesellenfeier locken hier neben einem Making of noch etliche zusätzliche Featurettes zum Verbleib im schwer verkaterten Freundeskreis. Und weil ein "Don't try this at home!" weniger Wirkung zeigt als bewegte Bilder, empfehlen wir, sich vor Silvester noch einmal dies filmische Mahnmal vor Augen zu führen. Nur, damit es keine Überraschungen gibt …
Den gesamten Text dieses Artikels sowie viele weitere Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe der mbeat, die kostenlos für Sie in Ihrer nächsten Müller-Filiale mit Multi-Media-Abteilung ausliegt.
Weitere Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe der mbeat. Diese liegt in der nächsten Müller-Filiale mit Multi-Media-Abteilung kostenlos für Sie bereit.