entertainment magazin von müller


inglourious basterds

»Es war einmal …«

… in einem Land vor unserer Zeit: Quentin Tarantino macht aus den Men-On-A-Mission-Filmen der 70er ein Weltkriegsmärchen für Erwachsene, aus Christoph Waltz einen Weltstar. Vorhang auf für das bislang verwegenste Werk vom coolsten Hund der Filmindustrie.

Wer dabei war, erzählt davon noch heute: Auf der Pressekonferenz anlässlich der Cannes-Premiere von "Inglourious Basterds" hätte Produzent Harvey Weinstein mit Blicken töten können. Während sich Quentin und sein "Dreckiges Dutzend" feiern ließen, sah der Hollywoodmogul in Sachen Kommerzialität seine Felle davonschwimmen, die "Basterds" zum veritablen Flop werden. Der verdammte Film war überwiegend auf Deutsch und Französisch! Statt dem erwarteten Nazisplatter übte sich der Regisseur in den bislang besten Dialogpassagen seiner Karriere. Und überhaupt: Who the Fuck is this Christoph Waltz? Das fragte sich auch die internationale Kollegenschar nach Verlassen des Kinos. Nicht ohne dem späteren Gewinner des Darstellerpreises gleich auch noch den kommenden "Nebenrollen"-Oscar zuzusprechen. Schon richtig: Waltz’ Performance als ungemein charismatischer Nazibösewicht ist eine Show für sich, die Brad Pitts Aldo Raine zur bloßen Nebenfigur degradiert. Aber es ist Tarantinos Chuzpe, erstens die Weltgeschichte umzuschreiben und                                         

zweitens das Ganze in überwiegend fremder Zunge zu tun, welche die "Inglourious Basterds" zur Filmsensation des vergangenen Jahres macht. Übrigens mit ein Grund dafür, sich auf DVD-und Blu-ray endlich die ohnehin mehrheitlich deutsche Originalfassung zu Gemüte zu führen. Denn wegen der paar Dialogpassagen Pitts die Sprachbarriere zwischen Amis und Nazis aufzuheben, das gehörte zu den größten Synchronsünden in Zusammenhang mit Tarantinos Husarenstreich. Bereits die Eingangssequenz macht deutlich, warum das Sprachmonster "Inglourious Basterds" unbedingt im Original gekuckt werden muss. Voll und ganz auf den in vielen Zungen perfekt parlierenden Waltz als Oberst Hans Landa zugeschnitten, zählt bereits dessen diabolisches Verhör eines französischen Bauern zu den Höhepunkten des Films, gipfelnd in dessen schrecklicher Entlarvung als Beschützer versteckter Juden. Einzig die junge Shosanna (Melanie Laurent) vermag zu entkommen und sich als Kinobetreiberin im besetzten Paris eine neue Identität aufzubauen. Inzwischen ist es auch den amerikanischen Streitkräften gelungen, französischen Boden zu infiltrieren. Mit einer Art früher "Shock & Awe"-                                         

Strategie versuchen amerikanische Juden unter Führung von Lt. Aldo Raine die deutschen Streitkräfte zu zermürben: Als "Inglourious Basterds" lauern sie SSTruppen auf und skalpieren die Opfer zum Schrecken der Heeresleitung. Bis die "Operation Kino" in Angriff genommen wird, die im gewaltsamen Tod der gesamten Naziführungsriege gipfeln soll. Hier kreuzen sich dann auch die Wege der Basterds mit denen der vor Landa geflüchteten Shosanna. Denn dank des schwärmerisch in sie verliebten deutschen Kriegshelden Frederick Zoller (Daniel Brühl) wird ausgerechnet ihr Kino zum feierlichen Premierenort des neuesten Propagandastreifens ausersehen. Die perfekte Gelegenheit für die junge Frau, Rache für den Tod ihrer Familie zu nehmen. Gesetzt den Fall, die schwer mit Dynamit behangenen Basterds kommen ihr nicht zuvor. Und wenn schließlich ausgerechnet ein Nazi die Zügel in die Hand nimmt, um die Geschichte für immer zu verändern, dann ist Tarantino der letzte von vielen verstörenden filmischen Coups gelungen.

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